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Nordamerikanischer Intermodalverkehr erlebt strukturelle Wende: Inlandsanteil überholt historisch den internationalen, doppelter Schock aus Zöllen und Energie gestaltet Logistiklandschaft neu.

IANA-Daten zufolge stieg das intermodale Verkehrsaufkommen in Nordamerika im Mai im Jahresvergleich um 4,4 %, der Inlandscontainerverkehr um 8,6 %, während der internationale Verkehr nur um 0,4 % zunahm. Der Inlandsanteil überstieg erstmals die 50 %-Marke. Der Konflikt mit dem Iran treibt die Dieselpreise in die Höhe, Zölle dämpfen die Importe und die Lkw-Kapazitäten werden knapper – all das begünstigt den Modalwechsel. Dieser Artikel analysiert die Treiber dieses strukturellen Wendepunkts, seine Nachhaltigkeit sowie die Lehren für die globale Logistiklandschaft.

Nordamerikanischer Intermodalverkehr erlebt strukturelle Wende: Inlandsanteil überholt historisch den internationalen

Laut den neuesten Daten der Intermodal Association of North America (IANA) erreichte das Gesamtvolumen des nordamerikanischen Intermodalverkehrs im Mai 2026 1,619 Millionen Einheiten, ein Anstieg von 4,4 % im Jahresvergleich, womit der Abwärtstrend vom April mit einem Rückgang von 0,6 % gestoppt wurde. Noch bemerkenswerter ist jedoch die strukturelle Neugestaltung hinter den Zahlen: Inlandscontainer (einschließlich Anhänger) legten um 8,6 % zu, während internationale ISO-Container nur um 0,4 % stiegen. Der Anteil der Inlandsausrüstung am Gesamtvolumen überstieg erstmals stabil die 50 %-Marke und markiert damit eine neue Phase im nordamerikanischen Logistikmodell.

Drei Haupttreiber: Energie, Zölle und Arbeitsmarktpolitik

Andrew Sibold, Wirtschaftschef der IANA, wies in einer Telefonkonferenz Anfang des Monats darauf hin, dass der anhaltende Iran-Konflikt die Dieselpreise weiter in die Höhe treibe, wodurch die Kosten für den Fern-Lkw-Transport deutlich gestiegen seien und die Verlader vermehrt auf den Schienen-Intermodalverkehr umsteigen würden. Gleichzeitig fördere das letztes Jahr vom Weißen Haus unterzeichnete „One Big Beautiful Bill“ Investitionen in die heimische Industrie, insbesondere die durch den Bau von KI-Rechenzentren ausgelöste Nachfrage nach Transport von Geräten und Materialien, was dem Inlands-Intermodalverkehr neue Frachtgrundlagen biete.

Der direkteste Schub kommt jedoch von den Zöllen. Sibold erklärte, dass vor einem Jahr zollgetriebene Vorzieheinfuhren zu einer hohen Basis geführt hätten, während die Importe in diesem Jahr deutlich geschrumpft seien, sodass das internationale Containervolumen in den ersten fünf Monaten kumuliert um 4,7 % zurückgegangen sei. Die Zölle hätten nicht nur das Importvolumen insgesamt gedämpft, sondern auch eine geografische Neuordnung der Lieferketten erzwungen, bei der ein Teil der ursprünglich durch internationale Transporte abgedeckten Güter durch heimische Produktion ersetzt werde, was den Inlands-Intermodalverkehr weiter stütze.

Lkw-Kapazitätsverknappung schafft Fenster

Larry Gross, Präsident von Gross Transportation Consulting, wies darauf hin, dass derzeit zwei unabhängige Faktoren gleichzeitig wirkten: die schwache Importnachfrage, die die internationale Seite drücke, und die Treibstoff- und Arbeitskosten, die die Inlandsseite ankurbelten. Er betonte besonders die Veränderungen auf der Angebotsseite der Lkw-Branche – verstärkte Englischkenntnisanforderungen der Bundesregierung, Einschränkungen für nicht ansässige gewerbliche Führerscheine (CDL), Maßnahmen gegen „Zombie-Lkw-Fahrer“ (zombie truckers) und andere regulatorische Maßnahmen, die zu einem Abgang zahlreicher unqualifizierter Kapazitäten geführt hätten.

„Die Verknappung der Lkw-Kapazität treibt die Stückgutraten in die Höhe, was dem Intermodalverkehr ein Fenster für die Umstellung von Lkw eröffnet“, so Gross. „In den Inlandsdaten sehen wir bereits erste Effekte.“

Kurzfristige Störung oder langfristiger Trend?

Trotz der starken Indikatoren bleiben Analysten hinsichtlich der Nachhaltigkeit vorsichtig. Sibold räumte ein, dass die Volatilität der Dieselpreise und die Entwicklung der Zollpolitik mit Unsicherheiten behaftet seien. Die Mai-Daten zeigten mit einem leichten Plus von 0,4 % bei den internationalen Containern, dass die Importe nicht völlig eingebrochen seien. Zudem könnten der KI-Boom und die gesetzgeberischen Anreize eher einmalige Impulse als nachhaltige Wachstumsmotoren sein.Allerdings sieht Gross eine steigende Wahrscheinlichkeit für einen langfristigen Anstieg des Anteils des Inlands-Multimodalverkehrs. Die strukturellen Auswirkungen der strengeren Regulierung der Lkw-Kapazitäten werden nicht schnell nachlassen, und obwohl die zollbedingte Rückverlagerung der Produktion umstritten ist, weisen die Investitionsentscheidungen der Unternehmen oft eine Trägheit auf. Sollten die Energiepreise auf einem hohen Niveau bleiben, wird die Wettbewerbsfähigkeit des Inlands-Multimodalverkehrs weiter gestärkt.

Erkenntnisse für die globale Logistiklandschaft

Dieser strukturelle Wandel im nordamerikanischen Markt ist auch für Europa und andere Regionen von Bedeutung. In einer Zeit, die von geopolitischen Konflikten, handelspolitischen Auseinandersetzungen und der Energiewende geprägt ist, wird die Verkehrsträgerwahl nicht mehr allein durch wirtschaftliche Effizienz bestimmt; politische Eingriffe und externe Schocks werden zu entscheidenden Variablen. Die Entwicklung des Multimodalverkehrs in Europa steht vor ähnlichen Herausforderungen: Fachkräftemangel bei Lkw-Fahrern, Kostenänderungen durch den CO2-Grenzausgleichsmechanismus (CBAM) sowie Schwankungen der Energiepreise. Der Fall Nordamerikas zeigt, dass die Anpassung des Verhaltens der Verlader schneller und nachhaltiger erfolgen kann als erwartet, wenn politische Maßnahmen und Preissignale zusammenwirken.

In den kommenden Monaten werden die IANA-Daten Aufschluss über die Widerstandsfähigkeit dieses Trends geben. Sollte der Anteil der Inlandsausrüstung weiterhin über 50 % liegen, bedeutet dies, dass der nordamerikanische Multimodalverkehr in eine neue Normalität eingetreten ist, die von Inlandsverkehren dominiert wird. Dies wird die Wettbewerbs- und Kooperationsbeziehungen zwischen Schiene, Lkw und Häfen neu gestalten und tiefgreifende Auswirkungen auf die Richtung der Infrastrukturinvestitionen haben.

Leserprüfung · europebusinessreview

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Source URLs

  1. https://www.logisticsmgmt.com/article/intermodal_sees_may_volume_gains_reports_iana/Primary

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